Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns

Jesus_und_die_Kinder

 

Jesus hat häufig Worte gesprochen, die vielleicht auf den ersten Blick banal scheinen, aber in denen wir, bei genauerer Betrachtung, sehr tiefe, geistliche Lehren entdecken. Genauso ist es auch mit diesen Worten, die er den Jüngern auf eine Aussage von Johannes hin gab.

Die Aussage Jesu im Kontext:

„Und er kam gen Kapernaum. Und da er daheim war, fragte er sie: Was handeltet ihr miteinander auf dem Wege?
Sie aber schwiegen; denn sie hatten miteinander auf dem Weg gehandelt, welcher der Größte wäre.
Und er setzte sich und rief die Zwölf und sprach zu ihnen: So jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein vor allen und aller Knecht. Und er nahm ein Kindlein und stellte es mitten unter sie und herzte es und sprach zu ihnen:
Wer ein solches Kindlein in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesand hat. Johannes aber antwortete ihm und sprach: Meister, wir sahen einen, der trieb Teufel in deinem Namen aus, welcher uns nicht nachfolgt; und wir verboten’s ihm, darum dass er uns nicht nachfolgt.
Jesus aber sprach: Ihr sollt’s ihm nicht verbieten. Denn es ist niemand, der eine Tat tue in meinem Namen, und möge bald übel von mir reden. Wer nicht wider uns ist, der ist für uns. Wer aber euch tränkt mit einem Becher Wasser in meinem Namen, darum dass ihr Christo angehöret, wahrlich, ich sage euch, es wird ihm nicht unvergolten bleiben.“ Mt 9,33-41

Wenn man den Text außerhalb des biblischen Kontexts betrachtet, könnte man schnell zu der Meinung kommen, Jesus hätte hier gesagt, das jeder, der nicht offen gegen ihn ankämpft gerettet wäre. Aber eine solche Auslegung steht im klaren Widerspruch zu vielen anderen Texten der Bibel, schließlich heißt es auch:

„Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan?
Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter“ Mt 7,22-23

Während Jesus gesagt hat, das es wenige sind, die die enge Tür und den schmalen Weg zum Leben finden Mt 7,14 ,
so werden es doch viele sein, die sogar im Namen Jesu handeln und trotzdem verloren gehen Diese Aussage Jesu hat sich demnach offensichtlich nicht darauf bezogen, ob ein Mensch gerettet wird oder nicht. Um zu verstehen, was tatsächlich gemeint ist, hilft es uns, gemeinsam in die Situation einzutauchen:

Jesus und seine Jünger waren auf dem Weg nach Kapernaum. Wärend des Wegen stritten sich die Jünger darüber, wer unter ihnen der größte wäre. Der Grund für diesen Streit war, das jeder von ihnen – durch ein stolzes Herz getrieben – selber der größte seien wollte. Nun ruft Jesus sie zusammen, und erklärt ihnen, das wahre Größe aus Gottes Sicht die ist, welche den Egoismus und den Stolz ablegt und stattdessen bereit ist ein Diener aller zu werden und das wohl des anderen über das eigene Wohl stellt. Nun dämmerte es Johannes und er erinnerte sich an eine Situation, wo sie jemanden verboten haben zu Predigen. Wahrscheinlich waren die Jünger neidisch auf diesen Mann gewesen, der auch Dämonen im Namen Jesu austrieb, schließlich gehörte er ja nicht zu ihrer Kirche und hatte nicht den gleichen Stand der Wahrheit wie sie.Als sie es ihm verboten, dachten sie, sie seien völlig im Recht , aber nun wurde Johannes unsicher, ob sie wirklich richtig gehandelt hatten. Deshalb antwortete er Jesus und erzählte ihm – nach seiner Meinung fragend – die Situation und wie sie gehandelt hatten. Jesus erklärt den Jüngern daraufhin, dass sie es ihm hätten nicht verbieten sollen. Die Jünger mussten verstehen,dass sie den, der, der nicht gegen sie ist als jemanden sehen sollen, der für sie ist. Dieser Mann hatte zwar noch nicht erkannt, das er Jesus nachfolgen musste, aber zumindest hatte er erkannt, das der Name Jesu freimachen kann. Er hatte noch einige große, theologische Defizite, aber er wollte das richtige tun. Als die Jünger ihm verboten Demonen auszutreiben haben sie ihn wahrscheinlich abgeschreckt, wobei es Gottes Plan war ihn zu ziehen und in die ganze Wahrheit zu führen. Es war unmöglich für die Jünger die wahren Herzensmotive dieses Mannes oder gar den zukünftigen Weg, den Gott ihn leiten wird zu sehen. Keiner der Jünger erkannte, das Judas, einer der zu ihnen gehörte, sich als Feind Gottes erweisen würde, aber in einem Mann, der wohl mit aufrichtigen Herzen versuchte Gott zu dienen, sahen Sie einen Feind gegen den sie ankämpften.

Ein Mensch sieht nur was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. 1Sam 16,7
Und so wie Jesus verlorene Schafe sah, die keinen Hirten hatten, so sollen wir genauso in jedem unserer Mitmenschen einen potenziellen Himmelsbürger sehen und ihnen in all ihrem Handeln keine böswilligen Motive unterstellen. Vor allem bei unseren Glaubensgeschwistern (die vielleicht auch noch eine andere Kirche besuchen) sollten wir aufpassen, dass wir sie nicht wegen des Splitters in ihrem Auge verurteilen ohne den Balken in unserem eigenen Auge zu sehen Mt 7,4-5. Sowohl in der biblischen Zeit, als auch durch die ganze Kirchengeschichte hindurch gab es viele Menschen, die zwar großen theologischen Irrtümmern aufgesessen sind, aber trotzdem von Gott in Mächtiger Weise gebraucht wurden, weil sie ihn von ganzem Herzen liebten.

Es ist zwar auch eine unserer Aufgabe Irrlehren aufzudecken und Irrtum zu beseitigen. Und es ist gut, wenn wir uns im Bewusstsein halten, dass der Weg zum Leben schmal ist, damit wir nicht aufhören im Gebet mit Gott um unsere eigene Erlösung und die unserer Mitmenschen zu ringen. Aber wenn es darum geht, einen Menschen zu beurteilen, dann sollten wir vorsichtig sein und ihn stehts lieber als einen betrachten, der aus guten Beweggründen handelt und „für uns ist“ als jemals jemanden als unseren Gegner zu verurteilen.

Der gleiche Jünger, der Jesus die Frage stellte, ob ihr Handeln richtig gewesen war schrieb später diese Worte:

Wer da sagt, er sei im Licht, und haßt seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und ist kein Ärgernis bei ihm. Wer aber seinen Bruder haßt, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.  1. Joh 2,9-11

One thought on “Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns

  1. Wirklich guter Gedanke im Artikel 🙂
    Wer die Wahrheit lieb hat, befindet sich auf dem langen, schmalen Weg. Der eine ist bei dem Kilometerstein, der andere bei einem anderen, aber Hauptsache, es ist die gleiche Richtung! Erinnert mich an das Gleichnis mit den Zentnern: Beide, die die Zentner vermehrt hatten, bekamen genau das gleich Lob, weil sie auf demselben Weg vorangegangen waren.
    Herzlicher Gruß aus Norddeutschland!
    Anne Schweda

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